Zahlungssysteme im Internet

GeldscheineFrüher war alles so einfach. Man ist in einen Laden gegangen, hat die Ware ausgesucht, und beim Verlassen des Ladens wurde mit Bargeld bezahlt. Ware gegen Geld, Zug um Zug. Sowohl Käufer als auch Verkäufer konnten sicher sein, dass sie die Ware bzw. das Geld erhielten. 

Im eCommerce sind wir üblicherweise mit dem Problem konfrontiert, dass zwischen Zahlung und Erhalt der Ware eine gewisse Zeitspanne liegt. Diese Zeitverzögerung kann in beiden Richtungen vorliegen, d.h. dass sowohl erst gezahlt wird und die Ware im Anschluss erhalten wird oder auch dass erst die Ware empfangen wird und anschließend gezahlt wird. Damit stellt sich für beide Handelspartner die Frage, in wie weit sie ihrem Gegenüber vertrauen können. Das Vertrauen bzw. das Risiko ist allerdings nicht das einzige Kriterium, welches bei der Auswahl der möglichen Zahlungsmittel eine Rolle spielen sollte. Aus meiner Sicht sollten die folgenden Kriterien berücksichtigt werden: Risikoverteilung Verkäufer – Käufer, Verbreitung bei der Zielgruppe, Einbindung in den Verkaufsprozess, direkte Zahlungsverkehrskosten (z.B. Gebühren), indirekte Zahlungsverkehrskosten (z.B. Lieferantenkredit), technische Anbindung. Im Folgenden sollen diese kurz betrachtet werden und beispielhaft an verbreiteten Zahlungsmitteln untersucht werden.

Risikoverteilung

Vereinfacht gesagt geht es bei diesem Punkt um die Frage, wer das Risiko trägt, dass der Handelspartner seinen Teil der Vereinbarung nicht erfüllt. Ein Beispiel: Bei der Zahlung per Rechnung versendet der Händler zuerst die Ware und eine Rechnung, der Kunde begleicht anschließend die Rechnung. Das Risiko liegt darin, dass der Kunde die Rechnung nicht bezahlt. Das Risiko trägt ausschließlich der Händler.

Verbreitung bei der Zielgruppe

Dieser Punkt behandelt die Frage, welcher Anteil der Zielgruppe ein Zahlungsmittel nutzen könnte. Eine Überweisung kann innerhalb der Euro-Zone beinahe jeder ausführen, das Lastschriftverfahren ist zur Zeit nur in Deutschland möglich. Kreditkarten sind in Deutschland nicht flächendeckend verbreitet, allerdings könnte die Verbreitung in der eigenen Zielgruppe sehr hoch sein. 

Einbindung in den Verkaufsprozess

Die Gestaltung des Verkaufsprozesses ist ein kritisches Element, um eine möglichst hohe Conversion zu erzielen. Jede „Ablenkung“ des Kunden kann zum Abbruch führen. Insofern ist bei der Wahl des Zahlungsmittels zu berücksichtigen, ob der Kunde während des Kaufvorgangs auf zusätzliche Seiten o.ä. gelenkt werden muss.

Direkte Zahlungsverkehrskosten

Für einige Zahlungsmittel fallen für die Nutzung Entgelte an, das bekannteste Beispiel sind an dieser Stelle Kreditkarten mit dem Kreditkartendisagio. Es existieren zahlreiche Varianten, wie die Entgelte erhoben werden (prozentualer Anteil, festes Entgelt, Mischformen) und es sollte unbedingt geprüft werden, welche Variante bei dem eigenen durchschnittlichen Warenkorbwert welche Kosten verursacht bzw. wie hoch der prozentuale Anteil des Entgelt am Warenkorbwert ist. Schließlich ist genau zu prüfen, welche Leistungen in dem Entgelt enthalten sind und ob diese Leistungen bei anderen Zahlungsmitteln nicht ebenfalls erbracht werden müssen, in den Kosten allerdings nicht direkt ausgewiesen werden.

Indirekte Zahlungsverkehrskosten

Indirekte Kosten entstehen beispielsweise durch die Gewährung eines Zahlungsziels beim Kauf auf Rechnung. Kunden haben üblicherweise 3-4 Wochen Zeit, ihre Rechnung zu bezahlen. In dieser Zeit kann der Händler nicht mit dem Geld arbeiten bzw. er muss ggf. einen Kredit zur Überbrückung aufnehmen.

Technische Anbindung

Sofern das Zahlungsmittel über einen Dienstleister abgewickelt wird, sollte die technische Anbindung an den Dienstleister möglichst einfach zu realisieren sein bzw. idealerweise direkt in einem kommerziellen Produkt verfügbar sein. Somit können Entwicklungskosten und –zeit reduziert werden.

 

Welche Zahlungsmittel sollten hinsichtlich der obigen Kriterien beurteilt werden? Aus meiner Sicht sind die folgenden Zahlungsverfahren für die meisten eCommerce Händler relevant:

  • Rechnung
  • Vorauskasse
  • Elektronisches Lastschriftverfahren
  • Kreditkarte
  • Sofortüberweisung
  • PayPal

Fazit:

Zahlungsmittel sind definitiv kein sexy Thema. Die Auswirkungen auf das Betriebsergebnis sind jedoch erheblich und das gleich in zweifacher Hinsicht. Zum einen durch die Kosten, die durch Nutzung eines Zahlungsmittels entstehen. Jede Reduzierung der Zahlungsmittelkosten hat eine direkte Auswirkung auf das Betriebsergebnis. Zum anderen durch die zusätzlichen Einnahmen, die durch eine hohe Conversionrate und zufriedene Kunden erzielt werden können. Diese Einnahmen haben einen mittelbaren Einfluss auf das Betriebsergebnis. 

Letztendlich gibt es keine allgemeingültige Empfehlung, welche Zahlungsmittel im eCommerce genutzt werden sollten. Der Einsatz hängt stark von der individuellen Situation des Händlers und seiner Kunden ab.