- Details
-
Veröffentlicht am Mittwoch, 05. Oktober 2011 10:55
-
Geschrieben von Nicolas Scheel
-
Kategorie: Trends
Jetzt also auch die TUI. Wie Ende September veröffentlicht, will die TUI im Rahmen ihrer Zukunftsinitiative GET 2015 das Internetgeschäft ausbauen und einen „branchenweit einzigartigen Online-Marktplatz“ aufbauen. Die TUI möchte sich auch im Internet „in der Spitze etablieren“.
Nun ja, ich finde das wenig kreativ. Ich muss eingestehen, dass ich die Details des Programms nicht kenne, aber auf den ersten Blick wirken diese Maßnahmen wenig spektakulär oder innovativ. Ich möchte einen kurzen Blick auf drei Punkt werfen.
- Internetgeschäft ausbauen. Der Anteil der Onlinebuchungen am Reisemarkt wächst kontinuierlich und liegt aktuell bei rund 30%, Tendenz steigend. Nachzulesen beispielsweise „Daten & Fakten zum Online Reisemarkt 2011“ des Verband Internet Reisevertrieb, indem die TUI pikanterweise Fördermitglied ist. Dass sich eine TUI einem allgemeinen Trend zu mehr Onlinebuchungen nicht verschließen kann und möchte, liegt auf der Hand.
- Einzigartiger Online-Marktplatz. Auch diese Idee ist nicht wirklich neu, Thomas Cook hat bereits 2010 verkündet, dass man das führende Online-Reisebüro sein möchte und thomascook.com als eine „leading online travel brand“ etablieren möchte. Konsequenterweise erfolgte eine Umstrukturierung der Online-Aktivitäten in einer europaweiten Einheit.
- Verzahnung Online und Offline Welt. Die ROPO-Studien (research online, purchase offline) haben bereits 2008 gezeigt, dass rund 25% des touristischen Umsatzes über die Kombination Online und Offline generiert wird. Auch hier war die TUI pikanterweise Co-Autor der Studie. Dass die TUI die gewonnen Erkenntnisse umsetzt, liegt wieder auf der Hand (wenn auch mit einigen Jahren Verspätung).
Aber vielleicht beschreitet die TUI ja auch neue Wege. Ich hätte auch durchaus einige Vorschläge:
- Internet als low-cost Abverkaufskanal. Es ist ein allgemeiner Trend zur Polarisierung des Reisemarktes zu beobachten in einerseits low-cost Reisen und andererseits Premiumreisen. Die Mittelklasse verschwindet. Dieser Logik folgt die TUI auch in ihren Geschäftsmodellen. Somit erscheint es konsequent, im Segment der low-cost Reisen auf aufwändige (und teure) Internetportale zu verzichten und stattdessen Standardprodukte zu nutzen, um diese Reisen möglichst kostengünstig zu vertrieben.
- Kooperation mit Google. Drei Tatsachen legen eine Kooperation mit Google nahe:
- Kunden suchen im Internet nach Informationen über Reisen, d.h. Content, Bilder, Videos, Bewertungen, Preise. Im Anschluss an die Suche bzw. Recherche kommt die Buchung.
- Die Suche und Buchung auf Reiseportalen ist seit 8 Jahren weitgehend unverändert.
- Google hat ein Interesse am Reisemarkt (Übernahme ITA (Flugdaten & Preise), Google Places (Hoteldaten & Preise))
- Google ist bereits ein Spezialist für das Suchen. TUI könnte sich als Spezialist für das Buchen etablieren. Eine Kooperation mit Google in Verbindung mit einer zeitweisen Exklusivitätsvereinbarung könnte die Art und Weise, wie Reisen im Internet gesucht und gebucht werden, revolutionieren.
Ich befürchte allerdings, dass die TUI einen derartigen Weg nicht einschlagen wird und keine radikale Veränderung bringen wird. Insofern stelle ich mich auf ein weiteres Portal á la expedia.de, ab-in-den-urlaub.de oder thomascook.de ein.