Accessibility

AccessibilityAccessibility oder Barrierefreiheit bedeutet, dass Dinge so gestaltet sind, dass sie von jedem Menschen, unabhängig von einer eventuell vorhandenen Behinderung, benutzt werden können. Barrierefreiheit im Internet (web accessibility) heißt entsprechend, dass eine Internetseite möglichst ohne Barrieren gestaltet werden soll, d.h. Menschen sollen in der Lage sein, eine Webseite wahrzunehmen, zu verstehen, zu navigieren und mit ihr zu interagieren.
 
Dabei sollte jetzt nicht ausschließlich an Blinde gedacht werden, denn die Zielgruppe der Menschen, die von Barrierefreiheit profitieren, ist sehr viel größer. Zu ihr gehören natürlich Blinde, aber auch ältere Menschen mit reduzierter Sehfähigkeit oder auch Menschen mit Rot-Grün-Sehschwäche. Hinzu kommen Personen, die neu und unerfahren im Internet sind und somit auf klares Design und stringente Navigation angewiesen sind. Nicht alle Kunden eines Unternehmens benutzen einen Browser um Webseite zu betrachten, es sind auch Screenreader, Brailledisplays oder Bildschirmlupen im Einsatz.

Im Rahmen der Gleichstellung aller Menschen wurde eine Reihe von Gesetzen erlassen, welche die Barrierefreiheit ermöglichen sollen. In den USA gibt es den Rehabilitation Act mit der Section 508, welcher auf Bundesbehörden anwendbar ist und diese verpflichtet, im Bereich der Informationstechnologie Barrierefreiheit zu gewährleisten. In England regelt der UK Disability Discrimination Act in Verbindung mit den WCAG Richtlinien die Barrierefreiheit. In Deutschland ist der Erlass zur „Gleichstellung behinderter Menschen“ in Verbindung mit der „Barrierefreie Informationstechnik Verordnung“ (BITV) für Webseiten des Bundes verpflichtend und für alle anderen eine Empfehlung. Diese Beispiele sollen zeigen, dass das Thema der Barrierefreiheit von Webseiten an Bedeutung gewinnt und zunehmend nationalen oder internationalen Gesetzen unterliegt.

Vorteile der Barrierefreiheit für ein Unternehmen

Ein Unternehmen hat eine ganze Reihe von Vorteilen, wenn die Unternehmenswebseite barrierefrei ist. Neben moralischen und rechtlichen Aspekten sind insbesondere Erhöhung der Reichweite, Verbesserung der Searchability und Erhöhung der Browserkompatibilität zu nennen.

Eine barrierefreie Webseite kann für ein Unternehmen eine Reichweitenerhöhung von bis zu 15 Prozent bedeuten. Umgekehrt bedeutet es, dass 15% der potenziellen Kunden vom Kauf auf der Webseite ausgeschlossen werden, da sie die Webseite nicht oder nicht einfach bedienen können. Im Internet ist die Konkurrenz nur einen Klick entfernt, dass heißt ein behinderter Benutzer wird sich nicht mit einer „mangelhaften“ Webseite auseinandersetzen, wenn er woanders besser bedient wird. Ein Unternehmen muss sich bewusst sein, dass eine barrierefreie Webseite nicht nur für behinderte Menschen notwendig ist, sondern gerade auch für ältere Menschen eine große Erleichterung ist, wenngleich sich diese kaum als behindert bezeichnen würden.

Suchmaschinen sind das bevorzugte Tool der Kunden bei der Informationsbeschaffung. Es ist somit für die meisten Unternehmen eminent wichtig, von Suchmaschinen mit den relevanten Informationen gefunden zu werden. Jedoch sind die Robots oder Spider der Suchmaschinen relativ „dumm“, d.h. Inhalte, die nur über dynamische Techniken wie JavaScript oder Flash erreicht werden, bleiben ihnen oft verborgen. Hier gibt es eine starke Analogie zu Menschen, die Webseiten mit Hilfsgeräten wie Screenreadern benutzen. Wenn die Webseiten eines Unternehmens im Sinne der accessibility gestaltet sind, so sind sie automatisch auch leichter für Suchmaschinen zu verstehen – die Searchability wird verbessert.

Die Erhöhung der Browserkompatibilität folgt dem gleichen Schema. Unterschiedliche Webbrowser wie der Microsoft Internet Explorer, Mozilla Firefox oder Apple Safari beherrschen die „gängigen“ Standards bei der Darstellung von Webseiten. Die Unterschiede liegen im Detail und insbesondere bei der Ausführung von dynamischen Webseiten. Eine Webseite, die barrierefrei gestaltet ist, führt beinahe automatisch zu einer höheren Kompatibilität der Browser. Für das Unternehmen ist dies insofern interessant, als dass es erhebliche Kosten bei der Entwicklung und Pflege von Webseiten für unterschiedliche Browser sparen kann.

Herausforderungen bei der Herstellung von Barrierefreiheit

Die größte Herausforderung bei der Verbesserung der accessibility ist die implizite Schwarz-Weiß-Bedeutung des Wortes „Barrierefreiheit“. Es scheint, als ob eine Webseite entweder barrierefrei ist, oder eben nicht. Es ist aber eine Illusion, eine absolut barrierefreie Webseite zu gestalten, denn die Dinge, die den einen Menschen behindern, ermöglichen es vielleicht gerade einem anderen Menschen, die Webseite zu benutzen. Insofern geht es darum, eine Webseite für möglichst viele Menschen nutzbar zu machen.

Ein weiteres Vorurteil besteht darin, dass barrierefrei Webseiten textlastig sind und ohne Farben, Grafiken oder Bilder auskommen müssen. Im Gegenteil, richtig benutzte Farben können die Nutzbarkeit erhöhen und Grafiken können durch eine adäquate Beschreibung auch von Blinden korrekt interpretiert werden. Ein Unternehmen sollte aber die Wirkung der Webseite unter Accessibility Gesichtspunkten betrachten und den richtigen Einsatz von Bildern und Farben fördern.

Schließlich wird Accessibility oft als Gegensatz zu Usability gesehen. Ursache dieses Gegensatzes ist oft, dass im Projektablauf erst die Usability Experten ihre Gestaltungsmaßnahmen definieren und die Barrierefreiheit zum Abschluss des Projektes getestet wird, was dann zu Konflikten führen kann. Sofern ein Unternehmen jedoch im Projekt gleichzeitig Usability und Accessibility betrachtet, wird es kaum Konflikte geben.

Zusammenfassung

Unternehmen sollten ihre eCommerce Webseiten barrierefrei gestalten. Hierfür sprechen neben Richtlinien und Gesetzen ganz handfeste Vorteile für das Unternehmen selbst: Erhöhung der potenziellen Kundenzahl, Senkung der Marketingkosten durch bessere Platzierung in Suchmaschinen und Reduzierung der Aufwendungen für Webseitenentwicklung und –wartung. Eine verbesserte web accessibility kann dabei mit relativ einfachen Mitteln erreicht werden, sofern man konsequent und von Anfang an dieses Ziel in den Anforderungskatalog aufnimmt.