Der Begriff des Taggings leitet sich aus dem englischen „tag“ ab, was soviel bedeutet wie Kennzeichen oder Etikett. Er beschreibt die Kennzeichnung von Inhalten mit Hilfe von Stichwörtern. Insofern ist das Tagging eng an die Verschlagwortung angelehnt, wie man sie aus Bibliotheken kennt, jedoch gibt es beim Tagging kein definiertes Vokabular und kein speziell ausgebildeten Mitarbeiter, sondern jeder Benutzer einer Webseite kann einen Inhalt mit beliebigen Stichwörtern kennzeichnen.
Das Tagging an sich ist kein Selbstzweck, sondern die Tags können als weiteres Navigationselement benutzt werden, damit der Benutzer die für ihn relevanten Inhalte leicht findet. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass sich diese Art des Taggings ausschließlich auf die Webseite eines Unternehmens bezieht und nicht auf Social Bookmarking Dienste wie z.B. delicious.
Tags ermöglichen es dem Besucher einer Webseite, vom Wissen und den Interessen anderer Besucher zu profitieren. Indem normale Nutzer einer Webseite den Inhalt mit für sie relevanten Stichwörtern versehen, ergibt sich unter Umständen eine andere Sichtweise und Kategorisierung der Inhalte als ursprünglich vom Unternehmen vorgesehen. Tags können somit das unterschiedliche Informationsbedürfnis von Menschen abbilden. Ein Beispiel, wo diese unterschiedliche Sichtweise besonders zu Tage tritt, ist das Museum. Professionelle Ausstellungsgestalter haben eine andere Sichtweise als der interessierte Besucher. Um dieses Dilemma aufzulösen, hat das Powerhouse Museum in Sydney Tags eingeführt, um Besuchern eine andere Sichtweise zu ermöglichen. Tags ermöglichen darüber hinaus auch den Gebrauch eines unterschiedlichen Vokabulars, unabhängig von akzeptierten Standards oder im Unternehmen eingeschliffenen Begriffen.
Viele Besucher erwarten inzwischen von Unternehmen, dass die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden mehrdimensional abläuft. Hier sind Tags eine Möglichkeit, ein interaktives, partizipatorisches Element in die Kommunikation einzuführen.
Schließlich beinhaltet der Prozess des Taggings auch spielerische Elemente, so dass ein Besuch der Webseite auch den Personenkreis anspricht, der nicht primär am Kauf eines Produktes oder einer Dienstleistung interessiert ist.
Aus Unternehmenssicht sprechen drei Gründe für den Einsatz des Taggings auf der eigenen Webseite. Erstens demonstriert das Unternehmen in deutlicher Form, dass es den Kunden in den Vordergrund stellt. Vom Unternehmen bereitgestellte Formen der Navigation wie Kategorien oder eine Volltextsuche sind Hilfsmittel, aber gerade auch der Kunde kann die Navigation und Suche auf der Webseite gestalten, indem er für ihn relevante Tags vergibt.
Zweitens wirkt ein Unternehmen, das Tagging auf der eigenen Webseite für die Kunden anbietet, innovativ. Es zeigt, dass es sich mit aktuellen Entwicklungen und Trends im Internet auskennt und bereit ist, diese zu testen und umzusetzen. Insbesondere wenn ein Unternehmen auch bei den eigentlichen Produkten als innovativ gelten möchte, bietet es sich an, diesen Anspruch ins Internet zu übertragen.
Schließlich bekommt ein Unternehmen auch eine Außensicht mitgeteilt, indem es die Tags analysiert, die Kunden mit Produkten oder Artikeln verbinden. Auf diese Art und Weise kann ein Unternehmen relativ leicht feststellen, ob die Selbstsicht und die Außensicht übereinstimmen oder die Kunden eine völlig andere Vorstellung von den eigenen Produkten haben.
Die Funktionsweise der Tags kann in zwei Bereiche unterteilt werden: Erstens die Eingabe von Tags oder Schlagworten zur Klassifizierung von Inhalten und zweitens die Nutzung von existierenden Tags zum Auffinden von relevanten Content.
Bei der Eingabe von Tags kann der Benutzer ein oder mehrere beliebige Wörter zu einem Artikel hinzufügen. Prinzipiell sind ihm dabei keine Grenzen gesetzt, sondern er kann die Begriffe verwenden, die aus seiner Sicht den Artikel am besten beschreiben. Als Unterstützung können ihm Begriffe eingeblendet werden, die andere Besucher bereits verwendet haben. Auf diese Art und Weise kann eine Art von Vokabular erstellt werden, welches zumindest die gleiche Schreibweise sicherstellt, ähnliche Bedeutungen berücksichtigt und somit die Konsistenz erhöht.
Die Nutzung von Tags zur Suche erfolgt typischerweise in zwei Varianten. Erstens werden die Tags einfach bei einer Volltextsuche berücksichtigt und erhöhen die Relevanz eines Artikels bei der Suche mit dem entsprechenden Stichwort. Zweitens können Tags in einer so genannten Tag-Cloud dargestellt werden. Die Tag-Cloud beinhaltet die 10-25 meistbenutzten Tags in alphabetischer Reihenfolge und gewichtet die Häufung mit Hilfe von unterschiedlichen Schriftgrößen. Klickt ein Besucher auf ein Tag innerhalb der Tag-Cloud, so wird entweder eine Volltextsuche durchgeführt oder dem Benutzer werden die Seiten angezeigt, die mit dem Tag versehen sind.
Bei der Nutzung von Tags müssen allerdings einige Besonderheiten und Voraussetzungen berücksichtigt werden. Die Tatsache, dass Benutzer beliebige Wörter als Tag verwenden können, führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass Begriffe nicht eindeutig getrennt werden können, Synonyme verwendet werden, die gleichen Begriffe im Singular, Plural oder in unterschiedlichen Sprachen verwendet werden. Dies muss einem Unternehmen bewusst sein, auch wenn mit einer Vorschlagstechnik gegengesteuert werden kann.
Weiterhin ist die Nutzung von Tagging erst bei hohen Nutzerzahlen sinnvoll, da sich erst bei einer großen Gruppe ein Trend erkennen lässt und nicht ein einzelner Besucher die Ergebnisse beeinflussen kann.
Schließlich muss aber auch das Unternehmen darauf vorbereitet sein, ein Stück Kontrolle abzugeben. Es kann nicht mehr vollständig bestimmen, wie ein Produkt oder Artikel von den Besuchern wahrgenommen werden soll, sondern es legt einen Teil der Verantwortung in die Hände der Kunden.
Die Technologie des Taggings bietet sowohl dem Unternehmen als auch Kunden Vorteile bei der Suche nach Produkten. Die Beschreibung bzw. Verschlagwortung von Produkten aus Kundensicht kann andere Kunden bei der Suche unterstützen und gleichzeitig eine engere Bindung der Kunden an das Unternehmen fördern, da diese die Möglichkeit erhalten, an „ihren“ Produkten mitzuwirken.